Editionsprojekt-Judenverfolgung

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#75JahreDanach

eine Online-Kampagne der Edition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945“ (VEJ@edition_vej)


Kolonne von Juden auf einer Straße im besetzten Minsk
Foto: BArch, N1576 Bild- 006/ Ernst Hermann

Am 22. Juni 1941 überfielen deutsche Truppen die Sowjetunion. Von den ersten Tagen des „Unternehmens Barbarossa“ an erschossen deutsche Polizisten, SS-Männer und Wehrmachtsangehörige unzählige Zivilisten und Kriegsgefangene, und von Anfang an richteten sich diese Verbrechen besonders gegen Juden. Binnen weniger Wochen steigerten die Täter ihren antijüdischen Terror zum systematischen Völkermord und löschten bald ganze Gemeinden aus. Bis Ende 1941 ermordeten Deutsche und einheimische Helfer in den besetzten sowjetischen Gebieten Hundertausende jüdische Männer, Frauen und Kinder.

Um eine Vorstellung von der mörderischen Dynamik der Ereignisse zu vermitteln, wird das Team der VEJ vom 20. Juni 2016 an jeweils genau #75JahreDanach via Twitter und Facebook Dokumente aus dieser entscheidenden Phase der Judenverfolgung online stellen – darunter Tagebucheinträge jüdischer Opfer, Briefe nicht-jüdischer Zeugen, Befehle von SS und Wehrmacht sowie ausländische Zeitungsberichte. Tag für Tag lässt sich auf diese Weise nachvollziehen, in wie kurzer Zeit sich die Politik der deutschen Besatzer radikalisierte, wie die Täter den Kreis ihrer Opfer immer weiter ausdehnten und welch fassungsloses Entsetzen diese bislang unvorstellbaren Verbrechen bei Opfern und Zeugen auslösten.

Die in der Online-Kampagne veröffentlichten Dokumente sind gekürzte Fassungen, die in der gedruckten Edition vollständig publizierten werden.



 



#75JahreDanach Dokumente:

Die 22. Infanteriedivision ordnet am 20.6.1941 an, Politkommissare und jüdische Kriegsgefangene „abzusondern“.

In Lemberg fürchtet sich Stanisław Różycki am 21.6.1941 vor dem drohenden Überfall auf die Sowjetunion.

Fayvel Vayner erlebt am 22.6.1941 den Angriff auf die Sowjetunion.

Das Propagandaministerium erläutert am Abend des 22. Juni 1941 in einer Pressekonferenz, wie der Krieg gegen die Sowjetunion dargestellt werden soll.

Die Stapostelle Tilsit ermordet ab dem 24.6.1941 im Memelgebiet hunderte Juden.

Fayvel Vayner flieht am 25.6.1941 vor der heranrückenden Wehrmacht und polnischen Nationalisten nach Osten.

Der „Aufbau“ schreibt Ende Juni 1941 über die bedrohliche Lage der sowjetischen Juden.

Das Polizeibataillon 309 setzt am 27.6.1941 die überfüllte Synagoge von Białystok in Brand.

Heydrich ordnet am 28.6.1941 an, jüdische Kriegsgefangene unauffällig erschießen zu lassen.

Heydrich fordert am 29.6.41, in den besetzten sowjetischen Gebieten Pogrome gegen Juden zu initiieren.

Stanisław Różycki fürchtet am 30.6.41 in Lemberg die antijüdische Gewalt ukrain. Nationalisten.

Ukrainische Nationalisten wollen im Sommer 1941 u.a. die Juden von der übrigen Bevölkerung isolieren.

Heydrich erläutert den Höheren SS- und Polizeiführern am 2. Juli 1941 ihre Aufgaben in der Sowjetunion.

SS-Mann Felix Landau nimmt Anfang Juli 1941 in Lemberg an der Exekution von Juden teil.

Stanisław Różycki schildert am 6. Juli 1941 die Rechtlosigkeit der Juden in Lemberg.

Ein Wehrmachtssoldat schreibt Anfang Juli 1941 den Mord an Ukrainern in Złoczów den Juden zu.

Das rumänische Kabinett bespricht am 8. Juli 1941 Maßnahmen gegen Juden in Bessarabien.

Das Sonderkommando 10b berichtet der Heeresgruppe Süd am 9. Juli 1941 über seine Mordaktionen in Czernowitz.

Der rumänische Geheimdienst legt am 11. Juli 1941 einen Plan vor, wie bereits im Vorfeld der Wiedereroberung Bessarabiens antijüdische Aktionen organisiert werden können.

Das Polizeiregiment Mitte übermittelt am 11.Juli 1941 die grundlegenden Befehle zur Erschießung jüdischer Männer.

Der lettische Polizeichef von Jelgava ruft am 12.7.41 in der Lokalzeitung zum Mord an den Juden auf.